2018 rückblick auf unsere veranstaltungen

 

buchpräsentation ulrike lunacek:

„frieden bauen heisst weit bauen“

di, 15. 5. 2018, 19:30 uhr
eintritt frei

am 17. februar feierte kosovo, der jüngste staat europas,
10 jahre seiner unabhängigkeit.

aus diesem anlass präsentiert ulrike lunacek
vizepräsidentin des europäischen parlaments a.d.
kosovo-berichterstatterin a.d.
ihr im wieser verlag erschienenes buch:

frieden bauen, heißt weit bauen“
von brüssel ins amselfeld und retour:
kosovos/kosovas weg in die eu und mein beitrag dazu
und lädt zum gespräch.

im anschluss an die veranstaltung wird zu einem glas wein geladen.

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susanne schaber: lesereise korsika
wo belle époque auf wildnis trifft
di 17. 4., 19:30 uhr 

eintritt frei
kooperation mit dem picus verlag

“kalliste” wurde korsika im altertum genannt: die schöne. wo die steilküste über die karibisch anmutenden traumstrände triumphiert, preschen die wellen gegen den fels, der sich im landesinneren zu mächtigen gebirgen türmt. alte städte erzählen vom widerstand gegen die mächte der natur und der eroberer, die jahrhundertelang versuchten, korsika unter ihre herrschaft zu zwingen. großzügigkeit, mut und gastfreundschaft gehören zu den tugenden einer gesellschaft, die seit jeher eng zusammensteht.
susanne schaber ist mit den hirten auf die hochebenen gestiegen, hat verwunschene dörfer durchstreift, die bodenständig-raffinierte küche und die hotels der belle époque erkundet. und sie hat mit ethnologen, historikern und selbstbewussten patriotinnen gesprochen, die für korsika und seine identität eintreten, um das kulturelle erbe zu bewahren.

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birgit schwaner: jackls mondflug
angelina ertel: improvisationen auf der querflöte
di 10. 4., 19:30 uhr
eintritt frei
kooperation mit dem klever verlag

1675 wird im salzburgischen die bettlerin barbara koller als hexe verbrannt, ihr gerichtlich gesuchter, zwanzigjähriger sohn jakob verschwindet von der bildfläche. nach zwei jahren aufersteht der verschollene in den köpfen seiner zeitgenossen – als phantom „zauberer jackl“, das zum vorwand für über hundert justizmorde an bettelkindern dient, die sich als bandenmitglieder jackls mit dem teufel verbündet haben sollen … an diesen berühmten historischen fall knüpft die erzählerin ihren roten faden. doch der wird bald von einigen mutwilligen krähen durchtrennt und muss neu gesponnen werden. also wird jakob ein zweites mal geboren, im grenzenlosen raum der fiktion, wo er eine zwillingsschwester mit günstigerem geschick erhält:
werden sie zeuge der abweichungsreichen, rasanten erfindung der abenteurerin jackl! als mädchen an einen venezianischen händler geratend, lernt sie schreiben und parlieren ebenso wie das niedere feuerwerken, tritt für die sache der bettler ein, verliebt sich unsterblich und konstruiert einen postcyranesken mondflugautomaten, um dem grausamen leben zu entfliehen.

autorin birgit schwaner wohnt seit fünfzehn jahren in der leopoldstadt. sie schrieb und schreibt hörspiele, prosa, lyrik und sachbücher. im selben bezirk ist der klever-verlag zuhause, wo – nach „held. lady. mops“ und „polyphems garten“ – nun „jackls mondflug“ erschien. letzte sachbuchveröffentlichung: leopoldstadt. eine insel mit vielen gesichtern, wartberg verlag.

angelina ertel absolvierte ein klassisches querflötenstudium in köln und lebt seit vielen jahren in wien, wo sie sich in der freien improvisationsszene einen namen gemacht hat. sie ist mitglied des „vienna improvisors orchester“ und des „neu new york/ vienna institut of improvised music“, spielt in unterschiedlichen formationen (z.b. im bce-trio mit der pianistin sylvia bruckner und der saxophonistin martina cizek) und improvisiert solo immer wieder zu literarischen lesungen.

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bernd schuchter:
herr maschine oder vom wunderlichen leben und sterben des julien offray de la mettrie
do, 22. 3., 19 uhr

eintritt frei
kooperation mit dem braumüller verlag

julien offray de la mettrie (1709–1751), gottseibeiuns der französischen frühaufklärung, lebte als arzt, sozialreformer und klandestiner autor und philosoph gleich mehrere leben, ehe er – von diderot, voltaire und dem halben intellektuellen europa gehasst – in potsdam seinen berühmten pastetentod starb.
was kann uns herr maschine, wie la mettrie nach seinem berühmtesten buch l’homme machine genannt wurde, heute noch erzählen? geboren in saint-malo, der heimatstadt berüchtigter piraten, ist auch la mettrie ein freibeuter auf literarischem wie philosophischem gebiet, ungezähmt, kompromisslos und mutig – als mediziner ein freund der schwachen und kritiker der ärzteschaft, als philosoph ein origineller denker des materialismus, der früh das gewaltpotenzial aller religionen anprangert und stattdessen ein epikureisches ideal der körperlichkeit propagiert. verfolgt und verfemt muss er ins exil, zuerst ins niederländische leiden, später nach preußen, wo er am hof des philosophenkönigs friedrich ii. asyl findet, ehe ihn mit nur 42 jahren ein abendessen aus dem leben reißt. bernd schuchter beschränkt sich aber nicht auf la mettries erzählenswertes leben, sondern entwirft ein breites panorama des achtzehnten jahrhunderts von der mechanischen ente über den bücherverbrennenden henker bis zur staatlichen lotterie frankreichs – und über allem schwebt der aufklärerische ruf: übernimm verantwortung für dein eigenes leben!

bernd schuchter, 1977 in innsbruck geboren, studium der germanistik, geschichte und philosophie an der universität innsbruck, seit 2006 verleger des limbus verlag, lebt mit seiner familie in innsbruck. zahlreiche stipendien und preise, u. a. förderpreis des theodor körner fonds (2017). zuletzt erschienen die romane link und lerke (2013) und föhntage (2014), der literarische reiseführer innsbruck abseits der pfade (2015), der historische essay jacques callot und die erfindung des individuums (2016) sowie die gebrauchsanweisung für tirol (2017). seine bücher wurden bisher ins ukrainische, polnische und englische übersetzt. www.berndschuchter.at

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manfred rumpl: finns irrfahrt
di, 13.3.2018, 19 uhr

eintritt frei
kooperation mit dem picus verlag

finn, fünfzehn jahre alt, trennungskind und mathe-niete, musikliebhaber und leidenschaftlicher kletterer, erleidet bei einer seiner touren einen schweren unfall. aus dem koma jedoch erwacht er mit neuem geist: die bis dahin unterschwellige rebellion gegen den verhassten stiefvater wird zu einer offenen und mündet in einer politisch motivierten aktion, in deren folge finn und seine ganze clique reißaus nehmen müssen. ihre gemeinsame reise durch die hitze des sommers gleicht einem roadmovie, wobei allein finn ein konkretes ziel vor augen hat. oder besser gesagt zwei: seinen leiblichen vater zu finden, und die wand zu bezwingen, die ihn abgeworfen hat …

rebellion, überschwängliche gefühle, unaussprechliche sehnsüchte, politischer aktivismus und erste liebe: manfred rumpl verpackt all das in einen mitreißenden all-age-roman, der große themen unserer zeit anspricht.

margret greiner: margaret stonborough-wittgenstein
do, 8.3.2018, 19 uhr

eintritt frei
kooperation mit kremayr und scheriau

margaret stonborough-wittgenstein (1882–1958), schwester des philosophen ludwig und des einhändigen pianisten paul, verkörperte wie kaum eine andere frau aus dem großbürgerlichen milieu der jahrhundertwende den aufbruch in eine zeit selbstbestimmter und selbstgewisser frauen. der immense reichtum der familie wittgenstein war für sie verpflichtung, die neue kunst, wie sie ihr in der secession und der wiener werkstätte entgegentrat, zu fördern. klimt porträtierte sie. sie war bauherrin, intellektuelle, salonière: glanzvolle feste und einladungen, an denen bedeutende persönlichkeiten aus politik und kultur teilnahmen, machten ihren salon zu einem begehrten treffpunkt der wiener gesellschaft. außergewöhnlich für frauen dieser zeit interessierte sie sich auch für naturwissenschaften, trieb studien in mathematik, physik und medizin.
margret greiner beleuchtet in vielen verschiedenen facetten, was es bedeutete, sich in der ersten hälfte des 20. jahrhunderts als autonome weibliche person zu entwerfen und als solche zu handeln.

stefan kutzenberger: friedinger
deuticke, 2018
di, 27.2. 1900
rasant, skurril, selbstironisch: stefan kutzenbergers romandebüt über einen verhinderten autor und einen abenteuerlichen politskandal

kutzenberger hat einen schreiburlaub in griechenland geschenkt bekommen. jetzt könnte er endlich seinen roman anfangen, wäre da nicht friedinger, der ihm eine abenteuerliche geschichte von verbotenen waffenlieferungen und heimtückischen morden erzählt, einem skandal, in den die spitzen der politik verwickelt sind. zu wem wollte der pakistani, dessen leben auf dem linzer voest-parkplatz jäh endet? was will der anonyme anrufer, der friedinger vor der gefahr warnt, in der er nun schwebt, und warum führt eine spur nach amstetten? in kutzenbergers roman über kutzenberger wechseln zeit- und handlungsebenen in rasantem tempo, und autor und held drehen sich ebenso kunstvoll wie selbstironisch um sich selbst.

paul chaim eisenberg: auf das leben!
brandstätter, 2017
 
gibt es streit in der ehe, probleme mit dem nachbarn oder eine krise im job, gehen gläubige jüdinnen und juden nicht zum coach oder zum therapeuten – sie gehen zum rabbi. weisheit und witz, glaube und gelassenheit sind im judentum von jeher eng miteinander verknüpft. rabbis verkörpern all das: sie hören zu, sie wägen ab, helfen anderen dabei, den eigenen weg zu finden. denn wenn sich zwei streiten, wenden sie sich an ihren rabbiner. er hört den einen an und sagt, du hast recht. dann hört er den anderen an und meint, du hast recht. da kommt die frau des rabbiners herein und meint, die können ja nicht beide recht haben. sagt der rabbi: und du hast auch recht.
rabbinische weisheit und talmudische logik sind in unzähligen erzählungen, anekdoten und mythen dokumentiert. in seinem handbuch der jüdischen weisheit versammelt paul chaim eisenberg, ehemaliger oberrabbiner von wien, kurzweilige miniaturen rabbinischer “lebensberatung”, von a wie arbeit bis z wie zweifel. ein humorvoll-hintersinniges handbuch – auch für atheisten.

 

herbert lackner: die flucht der dichter und denker
wie europas künstler und wissenschaftler den nazis entkamen

ueberreuter sachbuch, 2017, 22.95 €

deutschlands und österreichs wissenschaftler, künstler und intellektuelle entkamen den nationalsozialisten auf oft abenteuerlichen wegen. eine flüchtlingsgeschichte mit vielen parallelen zu heute – die betroffenen kommen allerdings nicht aus syrien und afghanistan. sie waren nobelpreisträger, universitätslehrer, weltberühmte schriftsteller und gefeierte dirigenten, juden und christen, politiker und zeitungsredakteure, die ein gemeinsames schicksal einte: die nationalsozialisten wollten sie ermorden.

unter den flüchtlingen: sigmund freud, stefan zweig, joseph roth, thomas, heinrich, golo und erika mann, franz werfel und seine frau alma mahler-werfel. alfred polgar, hermann leopoldi, ödön von horvath, anna seghers, robert stolz, friedrich torberg, karl farkas, billy wilder, u.v.m.

herbert lackner, geboren in wien, studierte politikwissenschaft und publizistik, war stellvertretender chefredakteur der ‘arbeiter zeitung’ und danach 23 jahre lang chefredakteur des nachrichtenmagazins ‘profil’. er ist autor zahlreicher zeithistorischer beiträge in ‘profil’ und ‘die zeit’.

doron rabinovici, 1961 in tel aviv geboren, lebt seit 1964 in wien als schriftsteller, essayist und historiker. er erhielt u.a. den preis der stadt wien für publizistik, den jean-améry-preis (2002) und den anton wildgans-preis (2011). 2017 erschien sein roman ‘die außerirdischen’ bei suhrkamp.

 

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