olga flor: morituri

olga flor: morituri
roman
jung und jung, 2021
22 €

in einer bitterbösen satire lässt olga flor einen aussteiger wie frankenstein zur zukunftsmusik einer blaskapelle durch ein heimatidyll geistern. sie zeigt: alles leben ist ein geschäft, denn: unersättlich ist der mensch, sterblich und gierig!

»ave ceasar, morituri te salutant!« gilt als gruß der gladiatoren beim betreten der arena: »heil dir, caesar, die todgeweihten grüßen dich!« in ihrem furiosen neuen roman lässt olga flor zeitgenössische morituri auftanzen. da sind etwa der aussteiger maximilian, dessen tochter ruth, die nachbarin jackie und ihr mann alfons, die bürgermeisterin und eine verfasserin von gebrauchstexten. es gibt wenig, das sich in dieser tour de force durch die niederungen der österreichischen (polit-)landschaft nicht optimal nutzen ließe, das outfit, die sprache, die wahrheit und die körper von asylsuchenden. maximilian wird teil eines verjüngungsexperiments in einer privatklinik, die unter einem moor unter betrügerischer verflechtung von firmen, bankinstituten und parteien erbaut wurde. der pompös inszenierte festakt mit schwerpunkt auf moderner cäsarenverehrung – ein medienaffiner jungpräsident soll offiziell eröffnen -, zu dem alle geladen sind, die bestochen, betrogen und sich abgesprochen haben, gerät zum grandiosen showdown. sprachlich brillant, sarkastisch, sprühend vor witz. und böse.

olga flor, geboren 1968 in wien, studierte physik und arbeitete im multimedia-bereich. seit 2004 freie schriftstellerin. zahlreiche auszeichnungen, u. a. anton-wildgans-preis 2012, veza-canetti-preis 2014. zuletzt erschienen: »klartraum« (2017)