robert menasse die hauptstadt

robert menasse: die hauptstadt
in brüssel laufen die fäden zusammen – und ein schwein durch die straßen…
suhrkamp, 2017
24.70 €

fenia xenopoulou, beamtin in der generaldirektion kultur der europaischen kommission, steht vor einer schwierigen aufgabe. sie soll das image der kommission aufpolieren. aber wie? sie beauftragt den referenten martin susman, eine idee zu entwickeln. die idee nimmt gestalt an – die gestalt eines gespensts aus der geschichte, das fur unruhe in den eu-institutionen sorgt. david de vriend dämmert in einem altenheim gegenüber dem brüsseler friedhof seinem tod entgegen. als kind ist er von einem deportationszug gesprungen, der seine eltern in den tod führte. nun soll er bezeugen, was er im begriff ist zu vergessen. auch kommissar brunfaut steht vor einer schwierigen aufgabe. er muss aus politischen gründen einen mordfall auf sich beruhen lassen; “zu den akten legen” wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. und alois erhart, emeritus der volkswirtschaft, soll in einem think-tank der kommission vor den denkbeauftragten aller länder worte sprechen, die seine letzten sein könnten.
in seinem neuen roman spannt robert menasse einen weiten bogen zwischen den zeiten, den nationen, dem unausweichlichen und der ironie des schicksals, zwischen kleinlicher bürokratie und großen gefühlen.
und was macht brüssel? es sucht einen namen – für das schwein, das durch die straßen läuft. und david de vriend bekommt ein begräbnis, das stillschweigend zum begräbnis einer ganzen epoche wird: der epoche der scham.

“robert menasse ist erzähler und polemiker, kühler geschichtsdenker ebenso wie visionärer schwärmer, der, bevor er abhebt, sich der fakten vergewissert. und er ist ein verführer, der kraft seiner sprache überzeugungsarbeit leistet.”
anton thuswaldner, salzburger nachrichten 18.05.2017

robert menasse wurde am 21. juni 1954 in wien geboren. menasse studierte in wien, salzburg und messina germanistik, philosophie und politikwissenschaft und promovierte 1980. von 1981 bis 1988 arbeitete er an der universität sao paulo in brasilien als assistent am institut für literaturtheorie. seither ist der schriftsteller und essayist als freier publizist tätig. 1990 wurde robert menasse als erster mit dem “heimito-von-doderer-preis” ausgezeichnet. der schriftsteller, der auch als übersetzer aus dem brasilianischen portugiesisch arbeitet, lebt in wien und amsterdam. er erhielt zahlreiche preise. sein neuer roman wurde für die shortlist des deutschen buchpreises nominiert.

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